Verbundtreffen 2019

Wie ihr ja sicherlich wisst, sind wir als Eigenbaukombinat schon seit langer Zeit Mitglied im “Verbund der offenen Werkstätten”. Jährlich gibt es ein sogenanntes Verbundtreffen, auf dem alle Mitglieder des Verbundes zusammenkommen können, und darüber möchte ich hier kurz berichten.

Über den Verbund

Der Verbund ist gewissermaßen die Lobbyorganisation der Offenen Werkstätten, die unsere Interessen gebündelt nach außen vertritt und eng mit der anstiftung kooperiert, und von ihr unterstützt wird.

Mitgliedern können eine sehr günstige und umfangreiche Haftpflichtversicherung inkl. Betriebsstättenrisiko abschließen. Darüber hinaus gibt es vergünstigte Konditionen für Mitglieder, die z.B. eine Inventar-, Unfall-, Rechtsschutz- oder D&O-Versicherung abschließen wollen. Für Mitglieder gibt es auch kostenfrei Hilfe bei Rechts- und Steuerberatung und die Erstattung von Reisekosten zur Vernetzung der Werkstätten untereinander (was übrigens noch viel zu wenig genutzt wird).

Aktuell sind 168 Werkstätten Mitglied im Verbund sowie diverse Reparatur-Initiativen, sodass der Verbund aktuell insgesamt 324 Mitglieder zählt.

Vor Ort in Kassel!

Ort unserer 3-tägigen Zusammenkunft war diesmal das Sandershaus in Kassel, das Hostel, Flüchtingsunterkunft, Tagungsräume, Bar und Werkstatt in EINEM vereint. Danke an die Crew, es war toll bei Euch!

Der Freitag Abend

Nach Ankunft im Sandershaus habe ich erstmal meinen Koffer in das Gemeinschaftszimmer gepackt, das ich mir mit Pasqual teilte, und etwas gechillt. Drei Stunden Bahnfahrt von Halle hinterlassen Spuren. 🙂

Dabei dann erstmal umgeschaut und erste Kontakte geknüpft. Natürlich waren Tom von der Anstiftung und Barbara vom Verbund auch dabei. Dazu gesellte sich das übrige Orga-Team vor Ort und die Vorstände des Verbundes: Maik, Christoff, Max und Betti.

Als Abendprogramm gab es dann im Cineplex in Kassel ab 18 Uhr den Film “CaRabA”, der eine Vision einer Welt ohne Schule und vom frei-sich-bilden zeichnet. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Autor Bertrand Stern und anderen Fürsprechern des Umfeldes, gab es vom Publikum interessierte und auch teilweise sehr kritische Fragen dazu. Wie und wo kann Bildung stattfinden, und stört oder unterstützt Schule dabei?

Danach ging es zurück ins Sandershaus und es gab ein erstes Kennenlernen in der großen Runde im lockeren Ambiente der Bar.

Samstag – Jahresversammlung und Workshops

Nachdem ich das Frühstück, das es leider nur bis 09:45 Uhr gab, verschlafen hatte, ging es dann mit dem Programm los.

Jahresversammlung des Verbundes

Daraus zuerst einige Zahlen und Fakten:

  • 168 offene Werkstätten sind Mitglied im Verbund
  • 324 Mitglieder gibt es im Verbund insgesamt, inklusive der Reparaturinitiativen, die seit dem Jahr 2016 dazugestoßen sind
  • die meisten offenen Werkstätten nutzen die Versicherungen über den Verbund (Haftpflicht, Inventar, …) und sparen damit etwa die Hälfte der Versicherungsbeiträge ggü. konventionellen Angeboten, was mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen kann
  • das Jahresbudget und der aktuelle Kontostand wurden besprochen, dabei waren viele Projektmittel, die gerade bewilligt worden sind, aber noch nicht ausgegeben werden konnten
  • die freien Mittel belaufen sich auf rund 5000 EUR

Bei der Vorstandswahl – ein Posten wurde nach zwei Jahren frei – stellte sich Christoff wieder zur Wahl, und wurde auch wiedergewählt. Dadurch besteht der Vorstand des Verbundes weiterhin aus 4 Mitgliedern.

Danach folgte der wichtigste Teil, die Meinungsbildung zur künftigen Finanzierung des Verbundes. Der aktuelle Mitgliedsbeitrag von 15 EUR pro Jahr deckt nämlich die Kosten bei weitem nicht ab. Es passierte bisher viel im Ehrenamt und über Projektzuschüsse.

Um den ständig steigenden Aufwand in Verwaltung und Vernetzung zuverlässig stemmen zu können wurde nach einer ausführlichen Diskussion eine Anhebung der Beiträge beschlossen.

Danach gab es noch Berichte über die sonstige Tätigkeit. Zum Beispiel wurde das Anschlussprojekt an 3D-Reparatur, bewilligt. Für “Reparieren verbindet” werden aktuell noch sechs lokale Mitstreiter gesucht, finanzielle Mittel dafür sind vorhanden. Details zum Projekt findet ihr hier, zur Bewerbung geht es hier entlang.

Workshop-Programm

Danach ging es ans Eingemachte, jede Menge Workshops standen zur Wahl:

Leider konnte ich nicht an allen Sessions teilnehmen, habe mich daher für “Access Control Box – Ein Zugangssystem für Offene Werkstätten und Maschinen” sowie “Weiterbildung für Anleiter*innen” entschieden.

Access Control Box

Von Fabian Meyer im Auftrag des Verbundes entwickelt ist das Ziel folgendes:

Ein OpenSource-Zugangssystem schaffen, das es ermöglicht, per RFID-Karte diverse Aktoren zu betätigen. Dabei zugeschnitten auf die Bedürfnisse der offenen Werkstätten.

Also zum Beispiel Türen zu öffnen, oder direkt Geräte freizuschalten (Steckdose an). Dazu gibt es optional eine Abrechnungsmöglichkeit via odoo nach Zeit oder Benutzung.

Es existiert bereits eine Tablet-App (ReactNative, also für Android und iOS), die per NFC RFID-Karten mit 13.56MHz auslesen kann. Der Ablauf bei der Benutzung ist dann exemplarisch wie folgt:

  • Mitglied kommt in die Werkstatt und hält seine persönliche ID-Karte an das Tablet.
  • Innerhalb von 20 Sekunden kann er jetzt die Geräte wählen und freischalten, die er gerade braucht.
  • Nach erfolgreicher Benutzung erfolgt genauso die Deaktivierung der Geräte (plus optionale Abrechnung).

Es ist auch möglich die Zugangsbeschränkung (hat er eine Einweisung für Maschine XYZ) im System zu hinterlegen, oder für Handmaschinen mit wechselbarem Kabel eine Aufbewahrungsbox zu benutzen, die dann für die Benutzung freigeschaltet wird.

Den Klickdummy für die Adminoberfläche gibt es hier zu begucken.

Das ganze System steht noch am Anfang, aber Fabian freut sich über viel Feedback von uns und den praktischen Einsatz dieses Tools, damit es ganz nach unseren Bedürfnissen weiterentwickelt werden kann.

Weiterbildung für Anleiter*innen

Nebenthema: Werkstattsicherheit, VBG, Prüfung Elektrogeräte, …

Preisverleihung explore

Das explore-Projekt des Verbundes lief ein Jahr und unterstützte zusammen mit der Drosos-Stiftung sieben verschiedene Projekte (mehr Details zu den einzelnen Initiativen gibt es hier):

Dann ging es zur Abstimmung des Publikumspreises und des Jury-Preises. Mir persönlich haben alle sechs Projekte gefallen, und alle hätten den Preis wirklich verdient gehabt!

Der Publikumpreis über 2500 EUR ging, ich denke völlig unangefochten, an Thomas von “Made in Marzahn”. Sein Vortrag lebte von einer unglaublichen Leidenschaft für die Arbeit mit Jugendlichen, seinem Berliner Dialekt, der seinesgleichen sucht, und einer Farbigkeit, mit der er aus seinem Alltag erzählt, die einfach nur mitreißt und begeistert. Herzlichen Glückwunsch!

Der Jurypreis in Höhe von 5000 EUR ging an das Projekt “Werkraum W” vom Halle 36 e.V. Die dabei mit Jugendlichen erstellten Stühle, Hocker, Tische, Dinge zeugen von einer unglaublichen Kreativität, die auf die Teilnehmende übergesprungen ist. Auch hier nochmal meine herzlichen Glückwünsche an das Team!

Der Verbund hat das explore-Projekt iniitiert, gemeinsam mit der anstiftung entwickelt und beantragt.

Mein besonderer Dank geht auch an Karoline von der drosos-Stiftung, die das Projekt finanziert hat.

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch das tolle Projektbuch “Verschraubt und zugedremelt”, das uns Franzi vom Frauenzentrum für unseren Space mitgegeben hat. Es wird bei uns direkt als Anregung für eigene Projekte genutzt werden! (vielleicht sind ja für euch noch weitere Exemplare verfügbar?)

Sonstige spannende Dinge

Zum Mittag gab es gab Gemüsecurry mit Reis und Salat im Sandershaus…. das war SUPERlecker, ich brauche unbedingt das Rezept. Kann mal bitte jemand den Kontakt zum Küchenteam herstellen? 🙂

Ich habe danach noch die von Frauke mitgebrachte Wanderausstellung des Projektes “Repara/kul/tur” bewundert. Da gibt es viele tolle Ideen, um über Reparieren einmal nachzudenken, und die kleinen und großen Erfolge gemeinsam zu feiern. Habe spontan angefragt, ob diese Ausstellung mal für ein paar Wochen zu uns nach Halle kommen kann.

Sonntag – Fazit

Am Sonntag gab es eine kurze Auswertung aller Workshops, was sehr interessant war, da ich ja leider nicht an allen teilnehmen konnte.

Access Control Box

Das Zugangssystem. Dazu hatte ich ja oben schon ausführlicher geschrieben.

Weiterbildung von Anleiter*innen

Hier werden wir jetzt gemeinsam strukturieren und das bestehende Wissen zusammentragen. Insgesamt gibt es mindestens zwei Ebenen:

  • Der Einweisende an sich: wie können wir nicht nur fachlich, sondern auch didaktisch, menschlich das notwendige Wissen transportieren
  • Die Werkstatt und die Werkstattsicherheit an sich: z.B. Sicherheitszonen, E-Check, Feuerlöscher und Fluchtwege…

Tischkicker

Ja, so ein selbstgebauter Kicker lässt Stimmung aufkommen! 🙂

Mit einem Materialeinsatz von etwa 600-700 EUR für Profizubehör, das sonst erst in einem Kicker ab 1500 EUR zu finden ist, steht auch hier Langlebigkeit und damit Nachhaltigkeit ganz oben.

Durch die Zerlegbarkeit können auch später einfach Teile getauscht oder ersetzt werden. Auch der Transport wird dadurch vereinfacht.

Pilzlabor

Sebastian aus Hamburg St. Pauli hat von seinem Pilzlabor erzählt, das er gerade eingerichtet hat. Also im Wald Sammeln von Pilzkulturen, die für das Auge unsichtbar sind, und dann wachsen lassen im Labor, umsiedeln in Substrate und dann sehen und lernen, was sich im Wald alles verbirgt. Dieses Wissen dann in Form von Exponaten z.B. auch direkt wieder zurück in Schulen bringen. Total spannendes Thema, genauso wie das Buch “Radical Mycology”. 🙂

OpenCNC

Eine OpenSource CNC, dazu kann ich leider nicht mehr beitragen als den Link. Ggf. kann ich später noch die Präsentation verlinken.

Ein Dome aus Fahrrad-Felgen

Das Outdoor-Bastelprojekt der letzten Tage, spannend! Hier gibt es mehr Details dazu.

Tolle Menschen und Projekte

Es war ein fantastisches Treffen, und ich hab so unglaublich viele offene, liebevolle und engagierte Menschen getroffen, dass ich gar nicht alle aufzählen kann. Trotzdem hier ein paar Links zum Anschauen und meine Grüße an:

Mit Erstaunen habe ich außerdem festgestellt, dass die Akteure in Brandenburg schon ihren eigenen lokalen Verbund initiiert haben, in dem sich die Werkstätten austauschen und gegenseitig unterstützen. Da haben wir in Sachsen-Anhalt noch dringenden Nachholbedarf! 😉

Nächstes Jahr in Halle!

Ich freue mich drauf Euch alle im nächsten Jahr vom 13. bis 15. November 2020 in Halle im Eigenbaukombinat begrüßen zu dürfen (ihr seid natürlich herzlich eingeladen schon vorher vorbeizukommen)!


Über Roberto Hoffmann

Baujahr 1980, Informatiker. Ich bin über den Lautsprecher- und Subwooferbau zur Holzbearbeitung gekommen und dann dort geblieben. Ich habe mich schon intensiv mit dem Vermessen von Lautsprecherfrequenzgängen mittels MLS/FFT, allgemein Raumakustik und auch der Digitalfotografie auseinandergesetzt. Mein aktueller Schwerpunkt ist aber die Holzbearbeitung von der Bohle bis zum Möbelstück, und natürlich das CNC-Fräsen.

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