Nachlese: 1. Grundkurs Holzwerken

So, das war er nun, der erste Grundkurs Holzwerken. Mir hat es viel Spaß gemacht, ich hoffe Michaela, Markus und Stephanie ebenso. 🙂

Nach einer etwa einstündigen Einführung in die Grundlagen und vielfältigen Möglichkeiten des Werkstoffes Holz waren wir auch schon beim Kapitel Konstruktion angekommen. Als praktisches Beispiel hatten wir uns einen kleinen Hocker herausgesucht, der etwa 30cm hoch werden sollte. Nach einer groben Skizze und ein paar kleinen Änderungen (die Visualisierung am Computer hilft bei der Beurteilung der Proportionen) standen die Maße dann fest (Hier die Skizze als DXF-Datei).

Skizze des Bauplanes, in QCad gezeichnet.

Dann konnte es an den Zuschnitt gehen, aus der Konstruktionszeichnung entnehmen wir folgende Maße:

  • eine Sitzfläche 27cm x 27cm, Fichte Leimholz 18mm dick
  • vier Beine aus Fichte, etwa 4cm x 4cm, je 30cm lang
  • acht kleine Querstreben, 3.4cm x 16cm lang, Fichte Leimholz 18mm dick
  • vier passende Nutklötzchen

Als erstes wurde die Sitzfläche zugeschnitten. Dazu gab es dann gleich die Einführungen in den Umgang mit Handkreis- und Kappsäge. IMG_68133

Die Querstreben in 3.4cm Breite hatten wir schon da, sonst hätten wir welche in ähnlicher Dimension zugeschnitten. Die 4cm Kanthölzer aus Fichte waren dann als nächstes dran. Aus einem Kantholz von 125cm Länge schnitten wir zuerst vier Beine auf Überlänge, und schließlich alle zusammen auf der Kappsäge genau auf dasselbe Maß zurecht. Mit den Querstreben ging es dann genauso schnell. Zwischenstand: der Hocker in Form seiner Einzelteile:IMG_68105

Als nächstes markierten wir auf allen Teilen wo jeweils oben, unten, innen und außen sein soll. Dazu klebten wir kleine Schnipsel Malerabdeckband auf und beschrifteten es mit Bleistift. So sind die Markierungen später leicht und ohne Aufwand auch wieder zu entfernen. Dann war auch schon die Zeit reif für die Mittagspause und einen kleinen Spaziergang.

Nachdem wir nun den Abschnitt “Konstruktion und Zuschnitt”  absolviert hatten, ging es als nächstes um das Thema “Holzverbindungen”. Nach Schrauben, Leim und Runddübeln kamen wir dann zu den Flachdübeln (sogenannte “Lamellos”) und den Dominodübeln und haben uns deren Vor- und Nachteile an kleinen Teststücken angeschaut. Die zugehörigen Maschinen nehmen uns dabei mit ihren genauen Anschlägen viel Mess- und Markierungsarbeit ab und erlauben ein zügiges Arbeiten.

Danach ging es weiter im Projekt: Für die Verbindungen der Beine des Hockers mit den Querstreben haben wir uns für die Dominodübel entschieden. Aufgrund der Größe fiel unsere Wahl auf die Dominos der Größe 5x30mm. Also schnell den 5mm Fräser montiert, Tiefenanschlag auf 15mm (halbe Dübellänge) eingestellt und los geht’s. Für die kleinen Leisten haben wir den Leistenanschlag verwendet.

IMG_68114

Darauf folge sogleich die erste Anprobe. Einfach einen Dominodübel ins Loch und die Einzelteile zusammengesteckt:

IMG_68110

IMG_68121

Alles passt auf Anhieb, ein seltenes Glück. 😉

IMG_68140

Dann geht es mit dem Exzenterschleifer zur Sache: Die Ober- und Unterseite der Sitzfläche wollen noch geschliffen werden. Wir arbeiten uns von P120 bis zur feinen P400er Körnung durch das Schleifpapier. Das gerade Halten und Aufsetzen der Maschine erforderte anfangs etwas Übung, ging dann aber leicht von der Hand. Natürlich wird der Schleifstaub sogleich abgesaugt.IMG_68143

Es folgt eine letzte Pass- und Sichtkontrolle vor dem Verleimen: Sind auch alle Teile an der richtigen Stelle? Markus’ geübtem Auge entgeht nichts. 😉

IMG_68126

Dann heißt es endlich “Leim frei” und her mit den Zwingen. Wir haben zuerst die Seitenteile verleimt, und erst dann diese untereinander. Das spart Zwingen und gestaltet auch den Zusammenbau viel entspannter.

IMG_68152

Nach dem Anziehen des Leimes (geht ja schnell mit Ponal Express) und kurzer Pause geht es an die Oberflächenbehandlung. Wir entschieden uns für das bewährte Hartwachsöl von osmo. Das Auftragen mit einem Lappen geht einfach und schnell. Wichtig ist, dass man es nur dünn aufträgt und den Lappen nach der Verwendung wieder in einem geschlossenen Gefäß verwahrt (Selbstentzündungsgefahr).IMG_68156

Für das Durchtrocknen sollte man etwa 1-2 Tage einplanen, danach kann man nochmal mit 400er Körnung sanft anschleifen und eine zweite Schicht auftragen. Perfektionisten tragen noch eine dritte und vierte Schicht auf.

Dann bleibt eigentlich nur noch die Befestigung der Nutklötzchen von unten und fertig ist der kleine Hocker (zum Schuheanziehen, für Blumen, für Kinder etc.)! Alternativ ist auch eine farbliche Gestaltung mit Pigmentbeizen oder Dekorwachsen möglich, oder das Skalieren des Entwurfs auf andere Größen.

IMG_68159

Materialkosten:

  • Rahmenholz Fichte für die Beine, gehobelt, etwa 125cm: ~ 2 EUR
  • Fichte Leimholz, 80x30cm für Sitzfläche und Querhölzchen: 2 EUR
  • Rest Birke Multiplex 12mm für die Nutklötzchen, etwa 5x15cm:  ~ 0.20 EUR
  • vier Scheiben Schleifpapier (reichen auch noch für 3-4 weitere Hocker): 2.40 EUR
  • 16 Dominodübel + etwas Leim: 4.80 EUR
  • Oberflächenbehandlung, anteilig: 1.50 EUR

Über Roberto Hoffmann

Baujahr 1980, Informatiker. Ich bin über den Lautsprecher- und Subwooferbau zur Holzbearbeitung gekommen und dann dort geblieben. Ich habe mich schon intensiv mit dem Vermessen von Lautsprecherfrequenzgängen mittels MLS/FFT, allgemein Raumakustik und auch der Digitalfotografie auseinandergesetzt. Mein aktueller Schwerpunkt ist aber die Holzbearbeitung von der Bohle bis zum Möbelstück, und natürlich das CNC-Fräsen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.