5 Jahre Junghacker

Die Veranstaltungsreihe “Junghacker” oder auch anfangs “{JUNGHACKER} – Programmieren für Kids” feiert fünfjähriges Bestehen. Seit Oktober 2016 gibt es nahezu jeden vierten Samstag im Monat die Möglichkeit sich im Rahmen des Junghackertages in den Räumlichkeiten des Eigenbaukombinat Halle e.V. auszutoben. So wird seit über 5 Jahren Wissen verteilt, Hardware zerlegt oder auch einfach nur Schwarminteligenz genutzt um Alltagsprobleme zu lösen. Getreu der digitalen Teilhabe werden alle drei Bereiche wie Befähigung, Beteiligung und Transparenz gemeinsam ausgestaltet.

Das Gemeinsachftlich gegründete Projekt durch Hacker *innen im Umfeld von Terminal.21 und des Hackspaces im Eigenbaukombinat richtet sich an Kids zwischen zehn und achtzehn Jahren, die kreativen Umgang mit Technik suchen und dabei durch Mentoren unsterstützt werden. Damit die letzten fünf Jahre greifbarer werden, haben wir uns bei Mentoren und Eltern mal umgehört und etwas im Archiv gestöbert. Die Kids selbst müssen wir nicht fragen denn, die schreiben fast selbstverständlich Blogartikel und drehen auch mal einen Film über den Junghackertag, was alles unter https://junghacker.de/blog/ zu finden ist.

Wie hat das eigentlich alles angefangen?

Mit einer Website (https://junghacker.de), Plakaten und Flyern an verschiedenen Orten in Halle, sowie Ankündigungen in der lokalen Presse schafften wir es, zur ersten Veranstaltung 10 technikinteressierte Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren bei uns zu versammeln. Eindrücke vom ersten Junghackertag sind unter https://junghacker.de/blog/blog1/ zu finden. Das Projekt selbst entwickelte sich schnell zu einem Selbstläufer. Wir hatten meist genug freiwillige Helfer*innen gefunden, die sich ganz unterschiedlich einbrachten. Vom Saubermachen bis hin zum Vermitteln von fortgeschrittener Informatik. Auch der allgemeine kreative Umgang mit Technik spielte immer eine große Rolle. Auch unser Anspruch, die Auswirkungen von Technik auf Gesellschaft und Umwelt zu betrachten und vermitteln, kam dabei nicht zu kurz.

Was waren so die Lieblingsprojekte?

Vokabeltrainer

Eine kleine Gruppe von 3 Jugendlichen hat Französisch als neues Fach bekommen und wollte sich einen eigenen Vokabeltrainer programmieren. Die erste Version wurde dann als Konsolenprogramm in Python geschrieben. Bei einem weiteren Junghackertag wurde dies erweitert und mit HTML/CSS eine Weboberfläche gestaltet, die dynamisch mit dem Python-Backend kommuniziert.

1, 2 oder 3 in Minecraft

Mithilfe von Redstone Elementen und der Erweiterung “Computercraft” wurde in Minecraft eine Maschine gebaut, mit der man das Spiel aus der Fernsehsendung 1, 2 oder 3 spielen kann. Dabei wird auf einem Bildschirm eine Frage angezeigt. Danach muss Steve sich in einen bestimmten Bereich, der jeweils für eine angezeigte Antwortmöglichkeit steht, stellen. Hat man so die richtige Antwort ausgewählt, wird dies im Bildschirm angezeigt. Programmiert wurde bei diesem Projekt mit LUA.

Computergrafik mit Pygame

Eine Teilnehmerin hat mit großem Spaß und viel Ausdauer bunte Pixel auf den Bildschirm gemalt. Dabei nutzte sie Python und das Pygame-Framework, welche dies mit wenigen Codezeilen einfach möglich machen. Durch die “Turtle” Programmiermethode gelang der Fortschritt vom einfachen Rechteck bis zum wilden Regenbogen-Mandala innerhalb eines Nachmittags.

Junghacker - der Film

Ein großes Gemeinschaftsprojekt. Vom Drehbuch über den Dreh bis hin zum Schnitt war eine große Gruppe den ganzen Tag beschäftigt und konnte am Ende einen fertigen Film präsentieren.

Ganz besonders herzlich Bedanken möchten wir uns bei einigen Eltern, die uns folgendes lesenswerte Feedback haben zukommen lassen:

was sagen die Eltern dazu?

von F. J. Š.

Es muss so knapp fünf Jahre her sein. Unser Sohn war damals gerade 10 Jahre alt. Ich selber bin schon recht technikaffin. Die speziellen Interessen meines Sohnes konnte ich aber schon nicht mehr zu seiner vollen Zufriedenheit beantworten. Wir haben einiges probiert: Zum LEGO-Roboter-Kurs geschickt - bald reichte das nicht mehr. Erste Anfänge mit dem programmieren von Arduino - ich kam an meine Grenzen. Ein Bekannter von uns erzählte, dass er etwas von einem Junghackertreffen im Eigenbaukombinat gehört hatte. Er könnte ihn ja mal mitnehmen, vielleicht wäre es ja was für ihn. Vom EBK hatte ich zumindest schon gehört, brachte dies aber mehr mit Werkstätten für Holz und Metall in Zusammenhang. In unserer Verzweiflung, unserem Kind nicht mehr genug Futter bieten zu können, ließen wir uns auf das Experiment ein. Und es war ein Volltreffer. Es muss so ziemlich zum Beginn dieses Projektes gewesen sein. Für unseren Sohn war es Liebe auf den ersten Blick. Die nächsten Male machte ich mir deshalb selbst ein Bild und war angefixt. Meine Befürchtung, dass sich dort völlig weltfremde Nerds in Hard- und Software vergraben, konnte ich schnell begraben. Natürlich gehört für mich ein gewisser Grad an Nerdigkeit dazu, aber weltfremd waren sie nicht, wie ich schnell in Gesprächen lernen konnte. Es ging hier eben nicht nur um Technik, sondern auch um zum Beispiel Hackerethik. Selbst gesunde Ernährung wurde versucht, unseren Kindern beizubringen - mit durchwachsenem Erfolg ;-).

Jedenfalls kann sich unser Sohn ein Leben ohne Junghacker und dienstäglichen Hackspace für die Junioren nicht mehr vorstellen. Erzwungene Abwesenheit durch Urlaub oder Lockdown waren Qualen. Was dann auch die Eltern zu spüren bekamen.

Letztendlich profitieren wir alle davon. Seine Expertise hat auch zu einer Verbesserung der Technik bei uns zu Hause geführt.

Der Junghacker-Event ist für uns ein voller Erfolg und sollte unbedingt fortgesetzt werden. Dafür Danke an alle, die sich hier engagiert haben. Und vielleicht kann unser Kind etwas zurückgeben indem er nach und nach als Mentor für die nachfolgende Generation tätig wird.

F. J. Š., Papa von tgh

von Pauline

Ich bin Elter eines Junghackers und ab und an habe auch ich etwas im Terminal zu erledigen. Allerdings bin ich dabei inzwischen lieber allein und nicht unter Aufsicht des kleinen Schwammgehirns, das mich dabei ausweidend befragt, ausufernd belehrt oder mir am liebsten gleich – das Problem an sich reißend – die Tastatur entziehen würde. Ich lerne nur langsam, muss vieles nachlesen und kopiere den Code, anstatt ihn selbst einzutippen und zu durchdringen. Mir hat in meiner Jugend definitiv ein*e Mentor*in gefehlt und jetzt bin ich alt und hab mir selbst schon zu viele komische Umwege beigebracht.

Seit kurzem besuchen wir das EBK in Halle. Ich immer nur zum Bringen und Abholen, denn um allein in die Nachbarstadt zu s-bahnen ist das Schwammgehirn noch zu stark minderjährig. Bei ihm spielen sich die Besuche stets in der folgenden Chronologie ab: (1) unendliche Vorfreude, (2) enorme Ausdauer, (3) große Ermattung kombiniert mit frühem Schlaf (4) glänzende Augen für mehrere Tage, (5) Ungeduld, [repeat]. Das Getane darf von den Eltern eine halbe Stunde vor Ende des Junghackertags bewundert werden. Kürzlich kam ich eine dreiviertel Stunde zu früh und konnte so dem magischen Moment zwischen (2) und (3) beiwohnen. Dem Kind wurden Shellbefehle diktiert, garniert mit erläuternden Nebensätzen und verstehenssichernden Nachfragen. Die Sache klappte auch, aber das schien vom Beobachtungsposten aus irgendwie nebensächlich, denn was es tatsächlich in Reinform zu beobachten gab, war ein echter Lernprozesses. Das Schwammgehirn konnte später in der S-Bahn alle in Nebensätzen untergebrachten Informationen in klar verständliche Hauptsätze transponieren.

Einen ähnlichen Zauber verbreitet die „offizielle“ Präsentationsrunde. Die richtet sich weniger an die Eltern als vielmehr an die Junghackergemeinde selbst und wird von Joti moderiert. „Ich habe heute xy programmiert.“ ist ihm zu wortkarg und so fragt er nach, in welcher Programmiersprache, mit welcher Anwendung, was für einen Vorteil diese Anwendung gegenüber anderen habe, was highlighten bedeutet etc. Vom Abstrakten zum Konkreten und zurück – als Erkenntnisprinzip. Wie die Dinge beigebracht werden können, steckt in den Dingen selbst. Das ist überall so, aber in dieser halben Stunde lässt es sich umwerfend genau beobachten. Die Mentor*innen didaktisieren nicht strategisch wie es Lehrkräfte in der Schule tun, sondern sie tun es ganz nebenbei durch ihren eigenen hohen Durchdringungsgrad, durch das Ernstnehmen aller Anwesenden, durch das gemeinsame Suchen und Beantworten von Problemen und nicht zuletzt mit subtilem Humor, der zwischen den Zeilen und unaufdringlich die eigenen, mühsam errungenen Lebensweisheiten zur Verfügung stellt (Stichwort offene Flaschen irgendwas neben technischen Geräten). Man möchte alle Lehrkräfte dieser Welt zum Junghackertag ins Eigenbaukombinat einladen und sagen: „Hier, schneidet Euch eine Scheibe ab!“ Und zugleich sollen sie lieber alle draußen bleiben, weil sonst vielleicht der Zauber kaputt geht.

In großer Dankbarkeit poloni

In den letzten 5 Jahren blicken wir auf viele schöne Veranstaltungen zurück, die nicht möglich gewesen wären ohne die teils große, oft regelmäßige bis kleine Unterstützung von ganz vielen Menschen. Dafür ein fettes DANKE!

Wir können immer Hilfe gebrauchen

Von erfahrenen Programmierer *innen die Spaß daran haben, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen an Dingen zu arbeiten. Elektronik-Expert *innen die sich mit Arduino, RaspberryPi und digitaler Schaltungstechnik auskennen. Pädagog *innen, die die Mentor *innen bei nicht-fachlichen Themen beraten und unterstützen. Spender *innen, um die für die Teilnehmer kostenlose Veranstaltung auch weiterhin ermöglichen. Kommunikationsexpert *innen, um JUNGHACKER in ganz Halle und darüber hinaus sowohl bei Teilnehmenden als auch bei Helfenden und potentiellen Unterstützer *innen bekannt zu machen. Interessiert? Schreib uns eine E-Mail an info ät junghacker pünkt de, oder komme an einem Dienstag oder Donnerstag ab 19 Uhr ins Eigenbaukombinat zum Hackspacetreffen.